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Bei unserer Ankunft werden wir wieder von den gleichen
Hotel-Yogis umringt. Dieses Mal aber wissen wir, wohin wir gehen wollen und bekommen in
Sihai sogar wieder den alten, ausgehandelten Zimmerpreis. Den Rest des Tages verbingen wir
mit waschen, faulenzen und Andy pagen. Andy hat sein Versprechen gehalten und hat uns die
Bustickets besorgt. Wir verbingen den Abend mit Andy und profitieren von den Gesprächen,
um mehr über die chinesische Denkweise und Art herauszufinden. Am nächsten Morgen
schlafen wir lange aus und bleiben in einem Café, um auf die Abfahrt des Sleeper-Busses
(17.30) nach Guangzhou zu warten. Um 17.30
stehen wir an der Strasse und werden dann in einen der Busse verfrachtet.
"Sleeper" ist vielleicht ein bisschen übertrieben die Liegefläche beträgt
1.60m auf 80 cm, wovon 1m horizontal sind und der Rest in 45° Neigung steht. Der Witz an
der ganzen Sache ist, dass diese Fläche für 2 Personen gedacht ist! Wir grossen Westler
haben schon Mühe, es uns auf dieser Fläche alleine bequem zu machen - zu zweit ist immer
irgend ein Arm oder ein Bein im Weg. Die Fahrt selber ist recht schaukelig, weil wir auf
einer holperpiste neben der Strasse fahren müssen, da die Strasse selber über ca. 50 km
neu erstellt wird. Der Rest (Tanken, Essenstops und Reifenwechsel) entspricht dem Standard
und wir fragen uns langsam, was uns beim Busfahren überhaupt noch passieren muss, damit
wir überhaupt die Brauen heben. Sehr geschafft kommen wir um 6.45 morgens in Guangzhou
an. |
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Guangzhou am Morgen ist schon eine sehr hässliche Stadt,
mit den unvermeidlichen Staus und der unglaublichen dicken Luft einer aufstrebenden Stadt.
Der Grossteil der Stadt ist in sehr einfallsloser grösser-und-spiegelnder-ist-besser
Manier gebaut und entbehrt jedem Charme. Wir sind recht geschafft und nehmen ein Taxi
(doppelt so teuer als in Peking) zur Shamian-Insel, wo angeblich das
"günstigste" Hotel der Stadt liegen soll. Wir zahlen hier fast vier mal so
viel, wie sonstwo in China. Leider ist um diese Zeit kein Zimmer bereit und wir müssen
unsere Rucksäcke deponieren (auch für das wollen sie Geld sehen, obwohl wir schon das
Zimmer gezahlt hatten). Wir gehen in den
Shamian-Park und sehen alten Leuten während ca. 2 Stunden bei ihren Tai-Chi-Übungen zu.
Die Shamian-Insel ist auch der einzige Ort in der Stadt, wo noch einige der alten, im
Kolonial-Stil erbauten Häuser zu sehen sind. (Renoviert, beherbergen sie nun
5-Sterne-Hotels, die mehr kosten als irgendwo sonst auf der Welt). Wir gehen zurück ins
Hotel, beziehen unser Zimmer und holen den dringend notwendigen Schlaf nach. Am Abend
wandern wir noch ein bisschen in der Stadt herum und essen noch was Kleines - nur wenig,
denn hier in Guangzhou kostet alles mindestens doppelt so viel, wie sonstwo und die
Speisen schmecken nicht mal! Aufgrund dieser Erfahrungen, entschliessen wir uns, morgen
gleich nach Hong Kong weiterzufahren. Im Hotel bietet man uns einen AirCon-Bus direkt nach
Kowloon an (180 Yuan + 40 Yuan Service Charge - pro Kopf!) Dies ist uns entschieden zu
teuer und wir entschliessen uns die Reise wie die Lokalen zu machen: Mit dem Zug nach
Shenzen und dann zu Fuss nach Hong Kong. (Zudem: Wer kann schon von sich sagen, dass er zu
Fuss über die China-Hong Kong Grenze gegangen ist?) Wir sind immer noch müde, und nach
dem wir den Wecker auf die unmenschliche Zeit von 8.30 gestellt haben, schlafen wir auch
recht bald ein.
Am nächsten Morgen machen wir uns im Bus auf den Weg zum
Hauptbahnhof. Das Schicksal, meistens auf unserer Seite, zeigt sich heute wieder ganz
offensichtlich von der besten Seite und erspart uns jede Menge Mühen. Im Bus treffen wir
einen Mexikaner, der hier und auf der Insel Hainan (Südchinesisches Meer) wohnt. Er gibt
uns die wichtige Information, dass es nur sehr wenige Züge gibt, die vom Hauptbahnhof
Richtung Shenzen fahren und es einen eigens dafür gebauten zweiten Bahnhof gibt, der aber
nirgends eingezeichnet sei - er habe schon grössere Mühen am Anfang gehabt und wolle uns
diese ersparen (danke!). Als wir dann im nächsten Bus sitzen, den wir mit unseren
beschränkten Chinesischkenntnissen erfragt hatten, fährt dieser aber irgendwie nicht in
die richtige Richtung und bringt uns zu einem sehr kleinen (ebenfalls nicht
eingezeichneten) Bahnhof (50% Trefferquote - nicht schlecht). Dort herumstehend und nicht
genau wissend, wo wir nun sind, kommt ein Englisch-Student uns zur Hilfe. Er fragt uns
nicht die von uns schon fast gehasste Frage "Hello, from where are you?" sondern
"Can I help you?" - ja, gerne. Er erklärt uns dann, dass es nur schwer möglich
ist, diesen Bahnhof per öffentliche Verkehrsmitteln zu erreichen und dass jeder, der es
sich leisten kann, nach Hong Kong zu gehen, auch genügend Geld für ein Taxi dorthin
habe(!). Er holt ein Taxi, instruiert den Fahrer und uns bleibt kaum noch Zeit, uns für
seine Hilfe zu bedanken - so schnell fahren wir schon los!
30 Yuan später halten wir vor einem unglaublich protzigem
Bahnhofsgebäude, umringt von noch hässlicheren Hochhäusern und solchen, die es noch
werden wollen. Der Bahnhof selbst ist wie ein Flughafen aufgebaut - man checkt ein und
wartet in einer Halle vor dem Gate bei Kung-Fu Filmen aus den Monitoren. Nach kurzer Zeit
werden wir in den Zug gelassen. Der Waggon überrascht uns sehr: Geräumig (Wird durch die
Tatsache, dass die chinesische Spur wesentlich breiter ist als die unsere, noch
verstärkt) und die Einrichtung entspricht derjenigen, die wir uns von Intercities in
Europa gewohnt sind. Zudem ist folgendes verboten: Rauchen, Spucken und Abfall auf den
Boden werfen. (Uns hat nur noch ein Verbot betreffend der Notdurft kleiner Jungen
gefehlt!) Der Zug fährt mit einer für chinesische Verhälnisse noch nie dagewesenen
Geschwindigkeit dahin und bringt uns innerhalb einer Stunde nach Shenzen.
In Shenzen gehen wir die restlichen 300 m bis zur Grenze
gemächlich zu Fuss und müssen unsere Yuan in Hong Kong Dollar wechseln, bevor wir über
die Grenze gehen, da ausserhalb von China (Ja, Hong Kong gehört auch dazu, obwohl es
letztes Jahr wieder an China zurückgegangen ist) keine Yuan gewechselt werden. Im
gleichen Moment helfen wir noch einer Gruppe von Franzosen, die den grossen Fehler gemacht
hatten, in China ausschliesslich Geld mit der Kreditkarte zu besorgen. Was ihnen fehlte,
waren die sogenannten "Exchange Certificate", die man bei jedem Wechseln in
einer Bank in China bekommt und ohne die ein Zurückwechseln in eine andere Währung nicht
möglich ist. (merke!) Wir haben aber jede Menge dieser Certificates und so ist es für
uns kein Problem, für sie ihre restlichen Yuan auch noch zu wechseln. Danach kann's
losgehen: wir gehen zum Immigration-Gate, füllen unsere Departure-Card aus und entwerten
unser China-Visa und gehen über die Brücke nach Hong Kong. Ciao China! |